Dritte Tagesetappe von Ferrara nach Cesenatico

Sensationelle Etappe über 110 km, davon waren 80 km bei Dauerregen.
Nach 60 km stellte ich mir die Frage,warum ich mir das eigentlich antue bei diesem Wetter. Ich hatte doch Italien ausgewählt mit Sonne und Wärme.

Also sprach mein innerer Schweinehund: du fährst jetzt hier von der Super Strada 16 ab, suchst Dir in Ravenna ein Hôtel und lässt die Beine baumeln.

Doch da war er an den Falschen geraten: mein Widerspruchsgeist war geweckt und ich entschied, weiter in Richtung Rimini zu fahren.

Und ab diesem Moment, als ich meine Entscheidung getroffen hatte, lief ich zur Höchstform auf. Der Wind, gestern noch mein größter Feind, wurde jetzt zu meinem besten Freund.
Trotz strömenden Regen und viel LKW und PKW Verkehr, pendelte der Tacho immer zwischen 33 und 40 km Geschwindigkeit.

Adrenalin und Endorphine ließen mich nur noch selten den Rucksack spüren: ich war im Flow – selbsterzeugt durch meine Entscheidung.

Und ist es im richtigen Leben nicht ebenso: wir diskutieren mit uns selbst, stellen das, was wir ja „eigentlich“ mal wollten infrage und schieben Entscheidungen mit vielen „guten, rationalen Gründen“ immer wieder auf.

Einstein sagte:
Die reinste Form des Wahnsinns ist es alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.

In einem Hôtel (Familienbetrieb) wird meine Dreckwäsche gewaschen, ich trank schon mit einem fetten Grinsen über den gelungenen Tag ein kühles Bier und werde jetzt noch mein Fahrrad reinigen.